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17.03.2017 von Sabine1602

THE MORE YOU KNOW – Wohnungs- und Obdachlose

Wer kennt das nicht? Du schlenderst durch die Innenstadt und siehst plötzlich einen Menschen, der neben einem deiner Lieblingsgeschäftge auf einer Decke sitzt und etwas verwahrlost aussieht. Fühlst du dich verunsichert und weißt nicht, wie du reagieren sollst?

Zeig Mitgefühl!

Obdachlose Menschen haben es nicht leicht. Sorgen, Einsamkeit und Unglück sind in den meisten Fällen ihr ständiger Begleiter. Auf dieser Seite erhältst du Informationen zur aktuellen Lage und Tipps und Tricks für den Umgang mit Bedürftigen.

 

Wer gilt als obdachlos?

Als obdachlos werden alleinstehende Personen bezeichnet, die auf der Straße bzw. an öffentlichen Plätzen leben. Sie besitzen kein „Obdach“ (Unterkunft), also keinen festen Wohnsitz. Auch die, die nicht dauerhaft in Notschlafstellen oder Wärmestuben untergebracht sind, gehören dazu. „Platte machen“ nennt sich das auf der Straße Leben.

Vorsicht: Obdachlosigkeit ist nur ein Teil der Wohnungslosigkeit.

 

Wer gilt als wohnungslos?

Als wohnungslos gelten alle Menschen ohne festen Wohnsitz. Das bedeutet neben den auf der Straße Lebenden zählen auch Personen, die zeitlich begrenzt in Heimen oder Unterkünften untergebracht werden, die bei Verwandten oder Bekannten untergekommen sind und die in einer staatlich finanzierten Wohnung ohne Mietvertrag leben, dazu.

Ebenso wohnungslos sind anerkannte Asylbewerber*innen, die nach Abschluss des Asylverfahrens nicht mehr in Heimen oder Lagern leben und einen Aufenthaltstitel besitzen, und Menschen, die aus Institutionen wie Gefängnissen, Heilanstalten oder Jugendheimen entlassen werden.

 

Wie viele Wohnungslose/Obdachlose gibt es in Deutschland?

Im Jahr 2014 lebten nach den Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) 335.000 Wohnungslose in Deutschland. Darunter fallen 39.000 Menschen, die ohne jegliche Unterkunft auf der Straße leben. 71% der Wohnungslosen sind alleinstehend und 29% leben mit Partner*innen und/oder Kindern zusammen. Die Zahl der Minderjährigen liegt bei 9%.
Die Zahlen sind in den letzten Jahren stark gestiegen und sie werden weiterhin steigen. Prognosen der BAG W zeigen, dass eine Steigerung von 60% bis 2018 vorliegt, wenn keine Veränderungen in der Wohnungspolitik durchgeführt werden.
Eine amtliche bundesweite Wohnungslosenstatistik, die zuverlässige Daten bietet, gibt es dazu allerding nicht.

 

Wie viele Wohnungslose gibt es in der Stadt Essen?

Im Jahr 2016 haben sich insgesamt 1.700 Bürger der Stadt Essen im Sozialzentrum Maxstraße wohnungslos gemeldet (Daten der Anmeldungen in der Beratungsstelle).  Diese Zahl bezieht sich nur auf Volljährige. 23% davon sind unter 25 Jahre alt. Der größte Anteil der Betroffenen sind Männer und im Alter von 30 bis 40 Jahren.

 

Wieso werden Personen wohnungslos?

Viele Menschen in Deutschland leben unter der Armutsgrenze bzw. leben in relativer Armut (Was genau relative Armut bedeutet, erfährst im Artikel Armut weltweit). Zusätzlich lässt sich ein enormer Anstieg der Mietpreise – besonders in Ballungsregionen wie das Ruhrgebiet - verzeichnen. Es läuft darauf hinaus, dass der Mietpreis für den Einzelnen nicht mehr bezahlbar ist und die Wohnung zwangsgeräumt werden muss. Ab diesem Zeitpunkt sind sie wohnungslos bzw. ohne festen Wohnsitz.
Oft kommen gesundheitliche und psychische Gründe dazu: Krankheiten und Lebenskrisen steigern das Risiko wohnungslos zu werden. So können beispielsweise der Verlust von Arbeit, eine Trennung, ein Schicksalsschlag, Erleben von Gewalt und/oder sexuellem Missbrauch, Suchtprobleme oder andere psychische Probleme zum Wohnsitzverlust führen.
Ein weiterer Grund ist die fehlende Selbstständigkeit, die Betroffene aus dem Elternhaus nie gelernt haben. Je mehr dieser Risikofaktoren aufeinander treffen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit wohnungslos zu werden.

 

Wie schwer ist es für Wohnungslose einen Job zu finden?

Da die Gründe für Wohnungslosigkeit meist zu wenig bis kein Einkommen und mangelnde Erwerbstätigkeit sind, fehlt den Betroffenen zunächst die Motivation. Potentielle Arbeitgeber legen Wert auf ein gepflegtes Äußeres und verlangen die Angabe eines festen Wohnsitzes. Daher wird erst versucht, sich um eine (Sozial-)Wohnung zu kümmern. Selbst wenn eine Wohnung gefunden ist, kann sich die Jobsuche je nach aktueller Lage des Arbeitsmarktes problematisch gestalten.
Es kann die Postanschrift der Organisation/des gemeinnützigen Vereins genutzt werden, um Briefe etc. zu erhalten und Dokumente bei Behörden einzureichen.

 

Wie schwer ist es für Wohnungslose eine Wohnung zu finden?

Für Vermieter gilt das gleiche wie für Arbeitgeber. Vermieter möchten einen zuverlässigen Mieter, der seine Miete pünktlich und regelmäßig zahlt. Sie verlangen ebenfalls ein gepflegtes Äußeres und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Wohnung.
Die meisten Wohnungslosen- & Obdachlosenhilfen versuchen den Betroffenen bei der Wohnungssuche unter die Arme zu greifen, denn die Situation kann überfordern. Bei Fällen, in denen die Betroffenen zwischen 18 und 25 Jahre alt sind und die Eltern von Arbeitslosengeld II leben, müssen die Gründe der Wohnungslosigkeit und die sozialen Schwierigkeiten erst geprüft werden. Das Jugendamt kann unter anderem entscheiden, dass die betroffene Person weiterhin bei den Eltern/einem Elternteil wohnen muss.

 

Welche Rechte haben Wohnungslose?

Auch Wohnungslose haben Rechte. Z.B. haben sie das Recht auf Sozialgeld oder Arbeitslosengeld II, auch bekannt als „Hartz IV“. Der aktuelle Regelsatz beträgt 409€. Sozialgeld kann vom Staat bezogen werden, sobald man als erwerbsunfähig gilt. Die meisten Wohnungslosen werden als erwerbsfähig eingestuft, können also mindestens 3 Stunden am Tag arbeiten und sind dazu berechtigt, Arbeitslosengeld II zu beziehen.
Falls kein eigenes Bankkonto vorhanden ist, besteht die Möglichkeit sich die monatliche Zahlung auf das Bankkonto der unterstützenden Institution überweisen und dann auszahlen zu lassen.

Das Recht auf medizinische Versorgung und eine kostenfreie Krankenversicherung besitzen Obdachlose und Wohnungslose dann, wenn sie eine der oben genannten Sozialleistungen vom Staat beziehen. Besitzen also eine gesetzliche Krankenkasse, die bei Bedarf zahlt, wie jeder andere Bürger auch. Allerdings müssen ggf. Lohnabrechnungen und der „Hartz 4“-Bescheid der Krankenkasse vorgelegt werden.

Autorin: Sabine Hübert

 

 

Wie kann ich helfen?

Du fragst dich, wie du dich am besten verhalten solltest, wenn du einen bedürftigen Menschen auf der Straße siehst? Hier ein paar hilfreiche Tipps:

Do’s

Dont’s

  • Die meisten Obdachlosen freuen sich bereits über Gesellschaft und Gesprächspartner. Vielleicht kannst du auf sie zugehen und sie ansprechen. Dabei ist wichtig, dass du ihre Situation akzeptierst, sie als Mensch respektierst und „auf Augenhöhe kommunizierst.“
  • Bitte wecke keine Schlafenden. Oft fühlen diese sich dadurch bedroht und reagieren aggressiv, besonders nachdem Alkohol oder andere Drogen konsumiert worden sind. Dies gilt auch bei sehr geringen Temperaturen. Falls du dir nicht sicher bist, ob der Mensch noch lebt, prüfe bitte ob er noch warm und der Puls noch vorhanden ist. In einem Notfall immer Hilfe holen und die 112 alarmieren.
  • Du musst deinen Geldbeutel nicht großartig belasten, um zu helfen. Die meisten sind sehr dankbar über einen Becher Kaffee oder Süßigkeiten.
  • Bitte vergiss die Situation der Obdachlosen und Wohnungslosen in den anderen Jahreszeiten nicht. Der Winter ist zwar gefährlich, aber uns ist dennoch nicht immer bewusst, dass im Sommer mehr Betroffene verdursten, als im Winter erfrieren.
  • Wichtig ist, nicht zu vergessen, dass Bedürftige nicht nur im Winter leiden. Der Hochsommer birgt besondere Gefahren der Dehydration und der Hautverbrennung. Daher lohnt es sich mal eine Flasche Wasser(!) oder eine Tube Sonnencreme zu spendieren.
  • Versuche diskriminierende Wörter wie „Penner“, „Schnorrer“ oder „Schmarotzer“ zu vermeiden, denn einerseits sind Obdachlose nicht zwingend Bettler und andererseits beziehen nicht alle Sozialleistungen vom Staat.
  • In der kalten Jahreszeit kannst du eventuell Decken, Handschuhe, Mützen oder dicke Socken abgeben.
  • Bekanntlich mangelt es Bedürftigen an Hygiene. Das riecht man leider auch. Aber du würdest auch müffeln, wenn du keine eigene Dusche hast, oder? Bitte sei nachsichtig und verständnisvoll. Reib‘ ihnen das nicht noch unter die Nase.
  • Nutze dein Wissen aus diesem Artikel und verweise Betroffene auf bestimmte Notschlafstellen und Beratungsstellen in der Nähe. Die meisten Notschlafstellen sind kostenlos.
 
  • Auch indirekte Hilfe ist wichtig: Z.B. kannst du Klamotten an Kleiderkammern von Sozialzentren spenden, sodass sich Bedürftige etwas aussuchen könne, was ihnen auch wirklich passt.
 
  • Falls du Zeit und Lust hast, mehr zu tun, kannst du dich ehrenamtlich bei Organisationen engagieren. Die meisten dieser Organisationen geben Essen und Getränke aus und verteilen Kleidung oder Decken gegen die Kälte. Oder falls du eigene Ideen hast, kannst du dich an uns – youngcaritas im ruhrbistum – wenden. Wir helfen dir, deine Ideen umzusetzen und freuen uns über deinen Tatendrang!
 

Grundsätzlich gilt: Handeln statt wegsehen!

 

Welche Organisationen helfen im Ruhrbistum?

Falls ihr weitere Hilfsorganisationen und Notschlafstellen kennt, die hier noch nicht aufgelistet sind, schreibt uns bitte eine Mail, damit wir die Liste immer auf dem aktuellsten Stand halten können. Danke!

 

Was tun,wenn ich selbst betroffen bin?

Falls du selbst Hilfe brauchen solltest, empfehlen wir dir dich an Organisationen zu wenden, die dir helfen können. Falls du unter 18 Jahre alt sein solltest, kontaktiere bitte zunächst das Jugendamt der Stadt, in der du wohnst. Auch gemeinnützige Vereine und Beratungsstellen werden dir dazu raten. Ansonsten findest du unter „Welche Organisationen helfen im Ruhrbistum?“ eine Auflistung von Notschlafstellen und gemeinnützigen Vereinen im Ruhrgebiet, bei denen du dich melden kannst.

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